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Beselich
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250 Jahre Wallfahrtskapelle Maria Hilf Beselich
Von Franz-Josef Sehr

Die Kapelle Maria Hilf auf dem Beselicher Kopf ist ein bedeutender Wallfahrtsort im Bistum Limburg und in der hiesigen Volksfrömmigkeit fest verankert. Sie wurde vor 250 Jahren am 8. September 1767 auf den Namen Maria Hilf und zu Ehren der Heiligen Vierzehn Nothelfer geweiht.

Die sieben Kapellchen am Betweg im Wald von Obertiefenbach zur Beselicher Kapelle, die an die Sieben Schmerzen Mariens erinnern gehören nach ihrer Fertigstellung im Jahr 1877 zu dem Ensemble der Wallfahrtskapelle.

Die Kapelle befindet sich, landschaftlich reizvoll gelegen, auf dem Beselicher Kopf, dem die Gemeinde wegen seiner zentralen Lage ihren Namen verdankt. Die Gründung der Gemeinde Beselich erfolgte am 30. Dezember 1970 durch den Zusammenschluss der vier zuvor selbstständigen Gemeinden. Neben der Wallfahrtskapelle befindet sich die denkmalgeschützte Klosterruine Beselich mit dem landwirtschaftlich genutzten ehemaligen Klosterhof.

Entstehung der Kapelle

Die Geschichte der Kapelle ist eng verbunden mit der früheren Existenz des in der Nachbarschaft befindlichen Klosters Beselich und mit Georg Niederstraßen. Nach etlichen Übergriffen und der Verhinderung von Neuaufnahmen im Kloster Beselich durch das Haus Runkel kommt es zum Aussterben des dortigen Konvents der Prämonstratenser. Nach jahrelangem Streit zwischen den Häusern Nassau und Wied-Runkel, der grassierenden Pest sowie fortschreitendem Verfall der Klostergebäude wird am 5. April 1615 vom Grafen Hermann von Runkel und anderseits der Grafen Johann zu Nassau-Siegen und Georg zu Nassau-Beilstein im Namen sämtlicher nassauischen Herrscher vertraglich vereinbart, dass die Liegenschaften als Hospital unter Direktion der Grafen von Nassau dienen sollen. Damit ist das inzwischen schwierig gewordene Klosterleben endgültig beendet. Der erforderliche Hospitalbau entsteht als Landkrankenhaus im Jahr 1618. Der Dreißigjährige Krieg mit Durchmärschen, Einquartierungen, Plünderungen, Überfällen durch zügellose Horden lassen auf dem Hofgut Beselich gravierende Spuren der Verwüstung entstehen: Verwahrlosung im Feld, leere Viehställe, Scheunen und Speicher. Damit verbunden ist auch der Verfall der Klosterkirche und des Konventgebäudes. Nach dieser äußerst schwierigen Zeit geht es nur mühsam aufwärts. Die Jesuiten von Hadamar, die nach der Konversion von Johann Ludwig von Nassau-Hadamar zum katholischen Glauben bevorzugte Rechte erhalten, gelangen am 3. Oktober 1652 durch eine Stiftungsurkunde in den Besitz aller Klostergüter bis nach der Zeit des Entstehens der Wallfahrtskapelle. Zuvor gibt es langwierige Streitigkeiten zwischen dem Prämonstratenser-Abt in Arnstein und dem Haus Nassau-Hadamar.

Neues christliches Leben auf dem Beselicher Kopf

Im Gebiet der alten Klosterstätte Beselich feierte das christliche Leben seine Auferstehung, als in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die heutige Kapelle und mit einer angrenzenden Wohnung errichtet wird.

Die Kapelle Beselich verdankt ihren Ursprung der Initiative eines Franziskaner-Eremiten, des Ordensbruders Leonhard (bürgerlicher Name: Georg Niederstraßen). Er wird 1709 geboren und lutherisch getauft, tritt mit 18 Jahren als Soldat in ein Kaiserliches Regiment ein und konvertiert am 3. Mai 1735 zum katholischen Glauben. Nach dem Erwerb aller Dienstgrade der unteren Soldatenlaufbahn scheidet er nach 24 Jahren aus dem militärischen Dienst aus und tritt in die Dienste der Niederländisch-Ostindischen Handelsgesellschaft ein, wodurch ihn das Schicksal ins ferne Indien verschlägt. Nach Ablauf seiner vertraglich festgelegten Dienstzeit von sieben Jahren kehrt er nach Europa zurück. Er unternimmt vergebliche Versuche der Aufnahme in das Dominikanerkloster Marburg, wandert zu den Franziskanern nach Köln, von dort aus zur Winterszeit durch Deutschland und Tirol in die Ewige Stadt. In Rom findet er im Januar 1758 nach Ablegung der erforderlichen Gelübde Aufnahme als Eremit vom hl. Franziskus. Nun versucht er im Besitz von Habit und Eremitenbrief eine geeignete Niederlassung zu finden. Nach einer zweijährigen Wanderung ausgehend von Rom über Venedig nach Wien, durch Österreich, Bayern, die Schweiz sowie rheinabwärts nach Luxemburg und Köln, dann ins Siegerland, kann er bei dem Mitbruder Joseph Schmidt im Secker Schlösschen unterkommen. Dort erlangt er Kenntnis von der ehemaligen Beselicher Klosterstätte. Hier auf der einsamen Bergeshöhe findet er, was er als Grund für den Eintritt in das Einsiedlerleben angibt: "Es ist mir in Indien im Schlafe vorgekommen, als wenn ich wirklich wachte, als wenn ich Mauersteine aufgeschichtet vor mir hätte, und beneben ist mir in die Ohren erschallet wie ein schönes Glockenspiel, und als wenn ich eine Kirche sehe, wo die Litanei von der Muttergottes gar schön gesungen wurde."

Erbauung und die Folgezeit

Durch die Willenskraft eines Franziskaners und mit großem Gottvertrauen überwindet Niederstraßen viele Schwierigkeiten. Er baut zunächst 1763 ein Einsiedlerhäuschen. Im Folgejahr erfolgt die Grundsteinlegung der Kapelle durch Pfarrer Johannes Schuld aus Obertiefenbach. Das Baugelände stellen die Eigentümer, der Fürst von Salm und der Graf von Westerloo, zur Verfügung. Die Finanzierung des Kapellenbaus erfolgt durch Schenkung des Baumaterials von der Gemeinde Obertiefenbach und durch großzügige Geldspenden. Mit tatkräftiger Unterstützung der Bevölkerung aus Obertiefenbach, wobei die Frauen und Mädchen das zum Bauen benötigte Wasser in Eimern die weite Strecke den Berg hinauf tragen, wird die Kapelle innerhalb von drei Jahren erstellt. Am 8. September 1767 weiht der Obertiefenbacher Pfarrer Johannes Löhr nach dem Wunsch von Niederstraßen das Gebäude auf den Namen Maria Hilf und zu Ehren der heiligen Vierzehn Nothelfer. Wie bereits bei der Grundsteinlegung kommt es hierbei zum Massenandrang der Bevölkerung. Das Richtfest wird mit Musik als ein richtiges Volksfest begangen, bei dem die gesamte Schuljugend aus Obertiefenbach mit einem Mittagessen bewirtet wurde.

Im Jahr 1768 wird die Kapelle von Rom mit einem vollkommenen Ablass auf das Fest Mariä Geburt begnadet; diese Feier wird allerdings bereits 1786 auf das Fest Mariä Himmelfahrt verlegt. 1769 erhält Beselich einen Stationsablass durch den Provinzial der Eremitenprovinz. Im Koblenzer Eremitenkapitel ist dem Franziskaner Georg Niederstraßen der Ordensname Leonhard gegeben worden und er wird im Jahr 1770 von Beauftragten dieses Kapitels feierlich in Beselich als Eremit eingesetzt. Zwei Jahrzehnte wirkt Georg Niederstraßen in stiller Zurückgezogenheit als Hüter seines Heiligtums, sowie als Aufwärter und Glöckner bei kirchlichen Feierlichkeiten. Er stirbt am 23. Dezember 1787 in Beselich. Seine letzte Ruhestätte findet er auf dem damaligen Friedhof an der Obertiefenbacher Pfarrkirche; sein Grabstein befindet sich inzwischen an der linken Außenwand der Kapelle.

Kapelle Beselich als Wallfahrtsort

Nach ihrer Einweihung ist die Marienkapelle Beselich nicht nur Wallfahrtskapelle, sondern war auch Zufluchtsstätte für eine Reihe vertriebener Ordensgeistlicher, die aufgrund politischer Veränderungen und der Säkularisation ihre Wirkungsstätten verlassen müssen. Am 17. November 1802 geschieht etwas Kurios: Der von der fürstlichen Regierung in Runkel beauftragte protestantische Oberpfarrer von Schupbach Abel übergibt die Schlüssel der Kapelle und des Wohnhauses an die beiden katholischen Patres Daum und Kremer.5 Die Prozessionen zur Wallfahrtskapelle, die an verschiedenen christlichen Feiertagen stattfinden, erfolgen zunächst von Obertiefenbach aus. Später werden sie, teilweise mit abschließender Predigt von der Außenkanzel der Kapelle, auch von vielen verschiedenen katholischen Pfarreien aus der Umgebung durchgeführt und bis heute beibehalten. Im Jahr 1815 werden Wallfahrten von der Regierung verboten. Lediglich die Prozessionen am Markustag, an den Bitttagen und die Fronleichnamsprozession innerhalb der Gemarkung werden geduldet. Erst die Freiheitsbewegung des Jahres 1848 sprengt die Fesseln des Staatskirchentums und Beselich sah von neuem die Volksmassen heranpilgern. Die Kapelle Beselich wird in diesen Jahren Stätte eindrucksvoller Glaubenskundgebungen von Männern aus den Pfarreien Limburg, Villmar, Elz, Obertiefenbach, Hadamar, Oberweyer, Ellar und Lahr. Ab Januar 1857 werden die jeweiligen Pächter des angrenzenden Wohnhauses zum Küsterdienst verpflichtet. In der Zeit des Kulturkampfes sucht der Bischof von Limburg Peter Joseph Blum im Herbst 1876 kurz vor seiner Flucht ins Exil zum Schloss Haid (Böhmen) die Kapelle Beselich auf und kniet vor dem Gnadenbild nieder, um zu beten. Beim Verlassen der Marienkapelle lauten seine Abschiedsworte "Erhaltet mir Beselich!". Dieses Bischofswort wird nicht vergessen, denn noch in den Jahren des Kulturkampfes wird die Kapelle unter Führung einigen obertiefenbacher Männern instandgesetzt und umgebaut.

Diese ganzjährig geöffnete Marienkapelle ist seit dem Tag ihrer Benedizierung täglich das Ziel von Katholiken, aber auch von Personen anderer Konfessionen. Neben regelmäßigen zweimal wöchentlichen Gottesdiensten in den Monaten Mai bis Oktober sind es Gläubige, die mit organsierten Wallfahrten zur Kapelle pilgern, wobei die sieben Kapellchen am Betweg teilweise in die Wallfahrten einbezogen werden. Fußwallfahrten an Christi Himmelfahrt beginnen in Obertiefenbach und Niedertiefenbach. Neben diesen beiden Anrainer-Kirchengemeinden organisieren weiterhin die pastoralen Räume bzw. Pfarrgemeinden oder ihre Gruppierungen aus Dietkirchen, Oberweyer, Balduinstein, Runkel/Arfurt, Limburg, Villmar, Niederbrechen, Dehrn, Waldbrunn, Löhnberg und Weilburg Wallfahrten nach Beselich. Aber auch einzelne Frauengemeinschaften, Senioren-, Vertriebenen- und Körperbehindertengruppen wählen die Beselicher Kapelle als Ziel für die Bezeugung ihres Glaubens.

Die im Altarraum befindlichen zahlreichen Votiv- und Danktafeln zeugen von der inneren Überzeugung der erfolgten Hilfe durch die Gottesmutter. Oft wird die Kapelle wegen ihrer reizvollen Lage und anheimelnden Atmosphäre als Ort von Eheschließungen, aber auch von Jubiläumshochzeiten gewählt.

Kapellengebäude und -ausstattung

Die Kapelle besteht aus einem Längsschiff und einem über dem Eingang geschieferten Kirchturm, in dem sich drei Glocken befinden. Am Turm ist eine große Außenkanzel für Predigten integriert. Beidseitig neben dem Haupteingang sind zwei Nischen mit geschieferten Vordächern. Im Chorraum befindet sich der Marmoraltar, der die Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind dargestellt. Die beiden Altarfenster zeigen die Geburt Christi und Jesus im Tempel von Jerusalem. Im Chorraum sind an beiden Frontseiten die Figuren der Vierzehn Nothelfer angebracht. An den Seitenwänden sieht man verschiedene Statuen, eine Darstellung der Dreifaltigkeit Gottes sowie Jesus und Maria mit ihren weltlichen Vorfahren. Darüber hinaus ist eine überwältigende Anzahl von meist aus Marmor bestehenden Votiv- und Danktafeln angebracht. Die am 11. April 2014 eingeweihte Pfeifenorgel, die sich auf der über eine Holztreppe zu erreichenden Empore befindet, erklingt bei feierlichen Gottesdiensten. Im Inneren der Wallfahrtskapelle ist auf den Kirchenbänken Platz für etwa 100 Personen. Bei den Abschlussgottesdiensten der Wallfahrten wird der gepflasterte Vorplatz, der von einer kleinen Parkanlage umsäumt ist, genutzt. Dabei versammeln sich meist mehrere hundert Gläubige.

Im Jahr 1984 wird der "Freundeskreis zur Erhaltung der Kapelle Beselich" gegründet, der sich zur Aufgabe macht, in enger Abstimmung mit der Katholischen Kirchengemeinde Obertiefenbach, die Kapelle und den Betweg mit seinen sieben Kapellchen instand zu halten.

Die Kapelle wird im Jahr 2002 durch Spenden der Bevölkerung und mit Unterstützung des Bistums Limburg innen renoviert. Es wird größtenteils der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt. Eine Neueindeckung des gesamten Kirchendachs erfolgt im Frühjahr 2013.

Stiftung für den Erhalt der Kapelle

Seit ihrer Anerkennung am 23. Oktober 2012 durch das Regierungspräsidium Gießen besteht die rechtsfähige kirchliche Stiftung für die Wallfahrtskapelle "Maria Hilf" in Beselich. Mit den Erträgen aus ihrem Stiftungskapital, weiteren Zustiftungen und Spenden soll die Unterhaltung der Kapelle dauerhaft gesichert werden.